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Ausstellung im Schloss "Abi Shek – Bestiarium"

So., 17.09.2017 - Fr., 27.10.2017

Im Schloss
Donzdorf

Ausstellung im Schloss "Abi Shek – Bestiarium"

Ausstellung im Schloss
17. September – 27. Oktober 2017


Abi Shek wollte Kunst studieren – diesen Entschluss fasste er bereits in Israel. Dabei hatte es ihm der Holzschnitt besonders angetan. Im Werk des 1933 aus Deutschland nach Israel immigrierten Künstlers Rudi Lehmann, dem Lehrer seines Vaters Moshe Shek, war Abi Shek dem ursprünglichen Reiz dieser Technik begegnet, wie sie durch Paul Gauguin, Edvard Munch und deutsche Expressionisten wie die Brücke-Künstler für das 20. Jahrhundert neu entdeckt wurde. – Wohin sollte Abi Shek gehen zum Studium? Nach Japan mit seiner alten und (auch für Europa) so bedeutenden Holzschnitt-Tradition? Oder nach Deutschland? Es war gerade die Holzschnitt-Tradition, die Abi Shek nach Deutschland zog, in jenes Land, in dem vor über 500 Jahren durch Meister wie Albrecht Dürer die bedeutendste Holzschnitt-Tradition Europas entstand. Außerdem hatte er als Junge einmal ein kleines Heft geschenkt bekommen mit Reproduktionen von Holzschnitten, die ihn in ihrer ursprünglichen Klarheit und Kraft faszinierten. Es war ein Reprint des berühmten Brücke-Katalogs von 1910, in dem Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff gegenseitig ihre Gemälde im Holzschnitt wiedergegeben hatten. Die primitivistische Holzschnitt-Kunst der „Brücke“-Künstler hatte in Deutschland einen wichtigen Grundstock für die Entstehung einer modernen Formensprache gelegt. Diese bildnerische Leistung der deutschen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts wurde nach den Schrecken des Dritten Reichs und dem Desaster nationalsozialistischer Kunstpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg als Zeuge für die Existenz eines anderen Deutschland wiederentdeckt. 1938 von den Nazis noch als ‚entartet‘ gebrandmarkt, bot die Kunst der ‚Brücke‘ nach 1945 einen ersten Anknüpfungspunkt auf der Suche nach einer eigenen modernen Identität im Nachkriegs-Deutschland.


Abi Shek spielt auf sehr persönliche Weise mit unterschiedlichsten Traditionen. Mit der Ausdruckskraft des Holzschnitts der jungen Avantgarde vor 100 Jahren verbindet er das eigene Erleben der Rinderherden in seiner Heimat Israel, aber auch die Kulturen des Nahen Ostens wie Ägypten mit seinen hieroglyphischen Zeichen – all dies mischt sich mit der Begeisterung für die reduzierte Zeichenhaftigkeit etwa der Eiszeit-Malerei, künstlerischen Äußerungen von Menschen, die vor zigtausenden von Jahren etwas formuliert haben und uns durch ihre Malerei bis heute begegnen. Archaische Zeichen von Tieren, silhouettenhaft in die Fläche gebannt, notiert Abi Shek zunächst in kleinen spontanen Pinselzeichnungen im Din A 4-Format. Diese Pinselzeichnungen werden später – zunächst oft ebenfalls als Pinselzeichnung – ins große Format übersetzt.
In der Umgebung des Kibbuz, in dem Abi Shek in Israel aufwuchs, gibt es eine Menge uralter Höhlen, die Abi Shek als Junge wie kein anderer kannte und mit der Taschenlampe erkundete. Abi Sheks Tierbilder sind verwandt mit den uralten, archaischen Bildern, die man in den Höhlen bei Beit Nir ebenso wie in Lascaux oder auf der Schwäbischen Alb gefunden hat. Eigentlich sind diese Bilder zeitlos – Urbilder, die wir in uns tragen, wie Abi Shek sagt. Ebenso findet sich diese ursprüngliche Formensprache in Zeichnungen von dreijährigen Kindern, egal aus welchem Kulturkreis. So zielt Abi Shek mit seinen Tierbildern eigentlich auf das Menschliche.
Er erzählt in seinen Bildern Geschichten, die genauso wenig wie die Fabeln des Aesop nur von der Welt der Tiere handeln. Auch zwischen den einzelnen Bildern passiert allerhand und mit jeder Neuhängung entstehen neue Geschichten zwischen den Bildern: lustige, bedrohliche, dramatische, schalkhafte, hochgestelzte, dynamische und nachdenkliche, Momente der Begegnung und der Einsamkeit. So viel Tierbeobachtung in diesen Bildern steckt, so ist dies doch nicht ihre Essenz. Diese Bilder sind in ihrer zeichenhaften Verdichtung Ausdruck menschlichen Geistes – gerade durch die Reduktion auf das Schattenbild, die das Naturbild zum Zeichen macht.
( Auszug aus „Im Zeichen der Rinder, Vögel und Katzen-zu den Holzschnitten von Abi Shek“ von Veronika Mertens © Dr. Veronika Mertens, Albstadt 2012)


Vita
1965 geboren in Rehovot, Israel, aufgewachsen im Kibbuz Beit Nir Israel; lebt in Stuttgart
1990 – 96 Studium der Freien Kunst (Bildhauerei) an der Staatlichen Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Micha Ullman
1996-1998 Aufbaustudium Freie Kunst (Bildhauerei) an der Staatlichen Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Micha Ullman
seit 1998 Mitarbeiter der Kunstschule Labyrinth Ludwigsburg
Preise und Stipendien
1991 Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst,
Baden-Württemberg
1997 Auslandsstipendium Prag
2000 Debütanten-Ausstellung an der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart
1993 Akademiepreis "Ateliergemeinschaft Feuerbach"
2016 Atelierförderung der Stadt Stuttgart
Einzelausstellungen (Auszug)
2016 „Abi Shek“ Galerie Hoch+Partner, Leipzig
Abi Shek “Holzschnitte und Zeichnungen”, Kunstverein Würzburg
Galerie D'Hamé, Mülheim
Richard-Haizmann-Museum für Moderne Kunst, Niebüll
2015 Abi Shek „WHO BY FIRE“ Alte Post Neuss / Städtische Galerie, Neuss
Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf (K)
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg i.Br
Kunstverein Bayreuth,
2014 “Konstruktion und Poesie” (mit Reinhard Scherer), galerie anja rumig, Stuttgart
„Abi Shek”, galerie, THE BOX DÜSSELDORF, Düsseldorf
Kunstverein Neckar-Odenwald e. V., im Vis-á-Vis, Buchen,
Neuer Kunstverein Regensburg e.V.
„ARCHETYPEN Holzschnitte und Zeichnungen“ Galerie Offizin S., Meran, Italien
2013 "Shadow" (mit Jonathan Ofek) The Yigal Alon Center Art Gallery, Israel,
Städtischen Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen (mit Josef Lang)
“ABI SHEK Holzschnitte Zeichnungen” Kunst im Alten Spritzenhaus e.V. Bahlingen, Kunstverein Bahlingen
2012 „Maphris-Parsa“ Jonathan Ofek und Abi Shek, City Gallery,Givatayim, Israel (K)
„Holzschnitt Zeichnung Skulptur“ Stadtmuseum im Spital Crailsheim(K)
Stadtmuseum Siegburg (K)


Die Vernissage zur Ausstellung findet am Sonntag 17. September um 11 Uhr im „Roten Saal“ des Donzdorfer Schlosses statt.
Zur Ausstellungseröffnung sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

Veranstalter: Stadtverwaltung Donzdorf

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