Seiteninhalt:
Sie befinden sich hier: Kulturelles-Einrichtungen-Kultur-AusstellungenAusstellungen
Liebe Kunstfreunde,
auch im Jahr 2010 werden die Räumlichkeiten um den "Roten Saal" wieder mit drei Ausstellungen bespielt, zu deren Besuch ich Sie hiermit ganz herzlich einladen möchte
Diesmal gilt der Ausstellungsfokus in den künstlerischen Auseinandersetzungen vorrangig der Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit und Identität – d.h. den Prägungen und Möglichkeiten, der Vergangenheit und der Gegenwart etc. – und nimmt damit eine jeweils sehr individuelle, unmittelbare Perspektive ein. So z.B. in der tagtäglichen Reflexion des Erlebten und Gefühlten in dem tagebuchartigen Bildgestaltungs- statt Schreiberitual bei Anna Ingerfurth. Des weiteren in den vielseitigen, malerischen Darstellungen der eigenen Person in verschiedenen, mehr oder weniger möglichen oder auch unmöglichen, komischen oder auch tragikkomischen Lebenssituationen und Personifikationen eines Hans Pfrommer. Oder aber auch in der inszenierten, fotografischen Annäherung Lisa Biedlingmaiers an Georgien, als ein Land, mit fremden und doch vertrauten Mythen und Geschichten, in dem die Künstlerin ihre Kindheit verbrachte, das sie aber erst nach vielen Jahren wieder besuchte und seit dem aus anderen Perspektiven neu entdeckt.
Da die Auseinandersetzung mit Kunst zwar bereichert, sich aber oft nicht selbst erklärt und häufig eher Fragen aufwirft als beantwortet, bieten wir neben den Eröffnungsveranstaltungen auch weiterhin ein Rahmenprogramm in Form von Führungen und KünstlerInnengesprächen an, und damit die Möglichkeit zum persönlichen Austausch über die ausgestellten Werke zeitgenössischer Kunst. Dabei eignen sich insbesondere die Gespräche mit den KünstlerInnen, im direkten Dialog mehr über das künstlerische Umfeld und die den Arbeiten zugrunde liegenden Gedanken zu erfahren und neue, erweiternde Sichtweisen zu entwickeln.
In diesem Sinne freue ich mich auf Ihren Besuch und auf anregende Gespräche,
Ihre
Simone Jung
Ausstellung vom 07.03. - 25.04.2010
Vernissage 07. März, 11 Uhr
Schloss Donzdorf, "Roter Saal"
Anna Ingerfurth, Stuttgart
"Tag für Tag...."
1969
geboren in Stuttgart
1989-98
Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste, Stuttgart bei Prof. Gross, Prof. Bachmeyer, Prof. Chevalier, Prof. Michou
Preise / Stipendien
2005
Citè Internationale des Beaux Arts Paris
2004
Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg
2003
Förderpreis der Stadt Bühl
2002
Atelierstipendium des Landes Baden-Württemberg
Kunst am Bau für die Universitätsklinik Heidelberg
2000
DAAD-Stipendium für Amsterdam, Niederlande Landesgraduiertenstipendium des Landes Baden-Württemberg
1998
Auslandsstipendium des Landes Baden-Württemberg für Barcelona, Spanien
1997
Preis des Kunstvereins Eisenturm
Preis der Freunde der Akademie zusammen mit T. Eberwein
1995
Akademiepreis
1993
Preis der Freunde der Akademie
Ausstellungen (Auswahl)
2008
“Oder sie werden beweglicher” Galerie Kunstraum Sutter-Kress, Erlangen
2006
”Malerei.Jetzt!-Portrait/Figur” & “Malerei.Jetzt!-Der Raum” Friedrichsbau Bühl, Bühl Baden
2005
”hin und zurück” Städtische Galerie Ostfildern zusammen mit T. Eberwein
2004
“Unsichere Welten” Gesellschaft der Freunde junger Kunst Baden Baden
2003
”2.Runde” Württembergischer Kunstverein Stuttgart
”So gewinnen sie Übersicht ohne Zeitverlust” Kunstverein Wilhelmshöhe, Ettlingen
Tagtäglich, auf immer gleichem Format, am Rand das jeweilige Datum mit einer Schablone eingraviert, entstehen die gemalten, gezeichneten oder auch collagierten Tagebuchblätter von Anna Ingerfurth. Dementsprechend sind sie einerseits bildnerischer Ausdruck für ihre Gedanken- und Gefühlswelt, zugleich begleiten die Zeichnungen schon seit vielen Jahren die künstlerische Entwicklung und Werdegang Anna Ingerfurths und sind damit eine undendliche Quelle immer neuer Bildideen für ihre meist kleinformatigen Tafelbilder.
In diesen nimmt die Auseinandersetzung mit dem Ornamentalen, also dem dekorativen Muster, als eine eigenwillige Definition von Räumlichkeit einen wesentlichen Platz ein. Der Mensch scheint darin meist wie auf urbanen Plätzen verortet, die jedoch durch die gestalteten, dekorativen Strukturen ersetzt wurden. So entwickelt sich beim Betrachten der surrealen Bildwelten, die von der Malerin mit äußerster Finesse ausgeführt wurden, ein eigenartiges Gefühl zur Relativität von Groß und Klein, von ästhetisch und überwältigend, sowie von geordnetem, musterhaftem Sein und Verlorenheit. Der Mensch – eigentlich das Maß aller Dinge – wird darin eher zu einer Staffage, zu einem anonymen optischen Maßstab innerhalb der übermächtigen Architekturen, Strukturen und Ornamente.
Abbildung:
"Perfekte Nischenlösung", 2008Acryl/Mdf19 x 19 x 4 cm
Ausstellung vom 30.05. - 18.07.2010
Vernissage 30. Mai, 11 Uhr
Roter Saal, Schloss Donzdorf
Hans Pfrommer, Stuttgart
1969
geboren in Stuttgart
1990-2000
Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart bei den Professoren Dieter Groß, Horst Bachmayer, Wolfgang Gäfgen und Sotirios Michou
seit 1993
gemeinsame Performances und Buchprojekte mit Armin Subke
2004
Gründung der Künstlergruppe „Das Kartell“ mit Frank Ahlgrimm und Armin Subke
2004-2005
Gastdozentur an der Freien Kunstschule Stuttgart
lebt und arbeitet in Stuttgart
Preise und Stipendien (Auswahl)
2006
Förderpreis des Freundeskreises des Künstlerbundes Baden-Württemberg für „Das Kartell“
2001
DAAD-Stipendium in Küblis/Schweiz
2000
Stipendium der Kulturstiftung der ZF Friedrichshafen AG
1998
Fördergabe des Verbandes Bildender Künstler Württemberg
1997
Villa-Vigoni-Stipendium in Loveno di Menaggio/Italien
1995
Akademiepreis und Preis der „Vereinigung von Freunden der Akademie“
1994
2. Akademiepreis anlässlich der Gesamtausstellung
1993
2.Preis der „Vereinigung von Freunden der Akademie“
Ausstellungen (Auswahl)
2009
„Das Glück dieser Erde“, Galerie der Stadt Backnang
2008
„Inmitten auf der Fahrt durch unser Leben“, Galerie Emmanuel Walderdorff, Köln
2007
“arg schön“ zusammen mit Armin Subke, zero arts e.V., Stuttgart
2005
„Das Kartell lässt den Dom im Dorf. Und das ist auch gut so“ zusammen mit Frank Ahlgrimm und Armin Subke, Galerie Emmanuel Walderdorff, Köln
2004
„Príjemnú zábavu“ zusammen mit Svätopluk Mikyta und Armin Subke, Galéria ART-MA, Dunajska Streda, Slovakei
2003
„Diablo vivace“ zusammen mit Cornelia Drechsler, Michael Brynntrup und Peter Prothmann, Tohu Bohu, Marseille
„Schönheit ist ihr Kapital“ zusammen mit Armin Subke, Galerie
Emmanuel Walderdorff, Köln
„Pädophobia“, Oberwelt e.V., Stuttgart
2002
Kreisbibliothek Küblis
2001
„Immer noch besser als mit Prinzessin Stephanie Schuhe einkaufen gehen“, Zeppelinmuseum, Friedrichshafen
„Der schönste Platz“ zusammen mit Armin Subke, Schapp - der Effektenraum, Stuttgart
„Der gleichberechtigte Blick“ zusammen mit Eva Koberstein, GEDOK – Gruppe Stuttgart e.V.
2000
„Was lange währt“, Museum Waiblingen
„Schön und gut“ zusammen mit Armin Subke, Galerie Peripherie, Tübingen
Kurztext zur Ausstellung:
Ein hintersinniger, manchmal auch ziemlich schwarzer Humor ist charakteristisch für das künstlerische Schaffen Hans Pfrommers. In den vorwiegend kleinformatigen, figürlichen Malereien und Zeichnungen stellt er auf die ihm eigene, scharfsinnig-phantasievolle Weise mögliche und unmögliche Situationen des Lebens in dessen oftmals ungelenker Komik und Absurdität dar, was er durch meist ebenso eigensinnige Bildtitel zusätzlich unterstreicht. Inspirationsquellen dazu bietet ihm der Alltag genug, sowie das eigene Erleben, Vorstellungen und Wunschdenken. Dabei macht der Künstler in seinen ironischen Darstellungen, in denen er die malerischen Details immer wieder aufs Vorzüglichste auskostet, auch nicht vor der eigenen Person Halt und präsentiert sich selbst immer wieder in glücklichen oder auch nicht so glücklichen Situationen. Vor allem diesen Selbstportraits wird die Ausstellung in Donzdorf gewidmet sein. Dabei ist ein Ziel seiner witzig-spöttischen Selbstattacken häufig das eigene Künstlertum in seinen vielfältigen, oftmals eigentümlich-widersinnigen Ausprägungen.
Abb.: schwere Stunde, 2009, Öl auf Holz, 27 x 20 cm
Ausstellung vom 10.10. - 28.11.2010
Vernissage 10. Oktober, 11 Uhr
Roter Saal, Schloss Donzdorf
Lisa Biedlingmaier
"Maschavera"
1975
geboren in Tscheljabinsk (Ural), aufgewachsen in Georgien (Kaukasus)
1988
Ausreise nach Deutschland, Stuttgart
1997-2001
Studium der Kunsterziehung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, bei Prof. Chris Newman, Georg Winter, Thorvaldur Thorsteinsson
1998
Erasmusstipendium an der Bellas Artes, Madrid
2002-2003
Studium „Bildende Kunst und Intermediäres Gestalten” an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Sotorius Michou
2003-2005
Studium Fotodesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
seit 2000
Mitbegründung und Mitarbeit in der forschungsgruppe_f
Preise und Stipendien
2007
Stipendium der Kunststiftung Baden Württemberg
2003
DAAD Jahresstipendium für Zürich, Schweiz
Ausstellungen, Projekte, Aktionen (Auswahl)
2009
„Ninka`s Institute for Democracy” Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich „Müh-Städtische Klimaforschung” forschungsgruppe_f, Kunstraum, München „A.W.” Oberwelt e.V., Stuttgart; Reto Ganz, Zürich
2008
„Maschavera”, Kunststiftung Baden Würtemberg, Stuttgart; Regionale 9, Kunstraum L6, Freiburg
"Support Georgia” Regionale 9, Kunsthaus Baselland, Basel
2007
„24 hours in urban space” AIAS-workshop mit forschungsgruppe_f, Zürcher H d. Künste
„Maschavera” Zweite Mittlere Schule, Kasreti, Georgien ; Fotosommer 2007, Stuttgart vfg-Nachwuchsförderpreis für Junge Schweizer Fotografie, BINZ39, Zürich; Ausstellungsraum Klingental, Basel; X-Lausanne
„little hungary” im Reaktor und A38, Budapest, forschungsgruppe_f
„little germany” im Stuttgarter Kunstverein und Ungarischem Kulturinstitut, Stuttgart, forschungsgruppe_f
2006
„Tutorial for Hungary” Aktion und Video, Interviews im Rahmen der r/e/mig®acio- Ausstellung auf dem A38 Schiff, Budapest
„Hommage an Forsch Botond” Dinamo, Budapest
„Romantische Migration” Installation und Aktion, Shedhalle, Zürich (mit forschungsgruppe_f)
2005
„Buschbeichten” Objekt, Aktion und Video im Rahmen der forschungsgruppe_f; Rahmenprogramm zur BUGA 2005, program angels/lothringer 13, München
„Spawn of the blob in the swamp”, Pulstreiber Festival, Heilbronn
„Index” Gestaltung des zweiten Berichts der forschungsgruppe_f

2004, bei meinem ersten Besuch in Georgien nach 16 Jahren, begann ich an einer Serie von Texten und fotografischen Inszenierungen zu arbeiten. Dabei beziehe ich mich auf die Erzählungen der Menschen, denen ich während meiner Aufenthalte begegne. Auf fiktive Fragmente aus dem Leben, d.h. Mythen, Legenden, Räubergeschichten, historische Anekdoten, Gerüchte und Klatsch. Durch die fotografische Re-Inszenierung lasse ich den tatsächlichen Verlauf der Geschichten außer Acht und bilde Szenen aus den subjektiven Erinnerungen der Erzählenden nach. Dabei werden Bilder aus längst vergangenen Mythen den aktuellen politischen Ereignissen entgegen gestellt und persönliche Erlebnisse mit kollektiver Erinnerung konfrontiert.
Text und Bild verweisen aufeinander, vermitteln aber in erster Linier eine tendenzielle Stimmung. Zugleich enthalten die Bilder Hinweise auf mögliche allegorische und sozio-politische Bedeutungen, die teilweise in Texten erzählt werden. Diese können bei der Präsentation durch installative Elemente verstärkt werden. Bilder werden zu Objekten, stellvertretend für das Dargestellte.
Maschavera ist eine sehr persönliche Art ein Land kennen zu lernen, dabei zu sein, sich erzählen zu lassen, vom Kuriosen, vom Alltäglichen, vom Sensationellen. Mit jedem neuen Bild, mit jeder neuen Geschichte verdichtet sich das Bild eines Landes, das sich im Wandel befindet.
Lisa Biedlingmaier, 2008
Abb.:
Schalaho, Fotografie, 2008
